Florian Fischer mit einem starken Auftritt in Livigno

Erst kämpft sich Papa Peter Fischer durch die horrenden Ticketpreise, dann bremst Neuschnee den Parcours, aber am Ende sind alle stolz auf Flo und das deutsche Skicross Team.

„Wie oft fährt dein Kind im Leben zu Olympia?“ entgegnete Peter Fischer auf die Frage, ob er denn mit Kind und Kegel im Wohnmobil nach Livigno fahren wolle, um Flo zu supporten. Natürlich waren sie dort, trotz aller Widrigkeiten, Olympischer Orga-Bremsen und Einschränkungen (keine Zuschauer entlang der Strecke „for safety reasons“.

Und Florian? Der klang im Herbst nicht sehr optimistisch: „Die Vorbereitung auf Schnee hat in den letzten Monaten ihren Lauf weitestgehend ohne mich genommen, ich habe einen großen Teil davon verpasst. Probleme mit meiner Bandscheibe zwangen mich, einige Spritzen zu nehmen. Die Hoffnung ist groß, dass es schnell wieder wird. Denn wir wissen alle: Olympia!“

Vom Invaliden zum Olympia-Zehnten

Als Flo am Sonntag, noch vor der Abschlussfeier in Verona in seiner Wohnung in Ruhpolding ankommt, sind seine Emotionen noch nicht so recht geordnet. „Es ist von allem etwas dabei“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Einerseits ist da die große Freude mit Teamkollegin Daniela Maier über deren Olympiasieg am Freitag, aber auch der Ärger über den Schweizer Ryan Regez, der im Halbfinale der Männer „unvergleichlich unfair“ gegen Tim Hronek vorgegangen war und diesen damit um die Finalteilnahme und eine große Chance auf eine weitere deutsche Medaille gebracht hatte.

Wende in der Ski-Cross-Quali

Florian Fischers Ziel war ehrgeizig, eine Medaille wollte er holen in Livigno. Ein Podestplatz wäre freilich eine große Überraschung gewesen, schließlich stehen für ihn als Karriere-Bestwerte in Weltcup-Rennen ein fünfter und ein achter Platz zu Buche. Zudem hatte er nach dem Training ein „eher mittelmäßiges Gefühl für die Strecke“.

In der Qualifikation am Samstagvormittag, in der diesmal keiner ausschied, sondern es nur um die Zusammensetzung der K.o.-Läufe ging, wendete sich das Blatt ein wenig. „Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich habe den Kurs im Griff“, so Florian. Er belegte Rang 14 – und konnte überdies die zweitbeste Startzeit vorweisen.

Neuschnee zum ungünstigsten Zeitpunkt

Zwei Stunden nach der Quali begann es zu schneien, was die Strecke deutlich langsamer machte. „Nach dem Start im Achtelfinale dachte ich, ich schaffe das erste Element gar nicht, ich habe gar nicht genug Geschwindigkeit“, erzählt Flo. Er schaffte es, und weil sich die Kontrahenten natürlich mit den gleichen Problemen herumschlagen mussten, war vom Start weg Zweiter – und gab diesen Platz bis ins Ziel nicht mehr aus der Hand. Das reichte, um ins Viertelfinale der Top 16 einzuziehen.

Von Runde zu Runde wurde es mit dem Schnee schlimmer, aber nach dem Start und fast bis zur Hälfte des Viertelfinal-Laufs lag er wieder auf Platz zwei und auf Halbfinalkurs, ehe ihm ein kleiner Fehler unterlief: Vor einer der letzten Linkskurven ließ er die Tür einen Spalt offen, Routinier Alex Fiva (Schweiz), der spätere Bronzemedaillengewinner, nutzte die Chance und schlüpfte durch. „Da lässt er sich nicht zweimal bitten“, gibt Flo zu.

„Ein zehnter Platz bei den Olympischen Spielen liest sich schon ganz gut“

Also: Rang drei, Aus im Viertelfinale – und trotzdem ein bemerkenswerter Olympia-Auftritt. „Das Ergebnis ist in Ordnung, und ein zehnter Platz bei den Spielen liest sich schon ganz gut“, bilanziert das Skicross-Ass des SC Starnberg.

Von Olympia direkt zurück in den Weltcup

Samstag Olympischer Wettkampf in Livigno, Sonntag heim, bereits am Montagmorgen hob der Flieger nach Serbien ab, zum nächsten Weltcup in Kopaonik. Und da schaffte es Florian Fischer ins kleine Finale, wo er Platz zwei belegte und insgesamt auf Rang 6 kam. Olympischer Rückenwind? Der Wettkampf in Livigno hat wohl für neues Selbstbewusstsein gesorgt beim zweiten Olympiastarter des Ski-Club Starnberg.

Flo`s Podcast: „Wenn ihr stets auf dem laufenden sein wollt, dann hört doch einfach mal in meinen Podcast rein. „*Cancel me if you can*“, überall wo es Podcasts gibt“.

AM